Toneinsatz, Ansprache

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Der zuverlässige Toneinsatz und eine problemlose Ansprache einzelner Töne in allen Lagen und dynamischen Stufen bedingen ein fortgeschrittenes instrumentaltechnisches Können und bilden ein zentrales Fundament der Grundtechnik.

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Bedeutung im musikalischen Zusammenhang

Das Knowhow einer zuverlässigen Ansprache ist eine wichtige Voraussetzung, um rhythmische Prägnanz, variantenreiche Artikulation und dynamisch-flexibles Spiel entwickeln zu können. Folgende Kriterien sind zu erfüllen:

  • Toneinsatz und Ansprache erfolgen zuverlässig in jeder Tonhöhe und Registerlage und in jeder dynamischen Stufe
  • Die Art der Ansprache – härter oder weicher, „aus dem nichts erklingend“ oder mit gewisser Schärfe – muss variabel sein und dem Charakter des Tonstückes angepasst werden.
  • Intonation und Klangfarbe sollen bereits im Moment der Ansprache stabil sein und sich nicht erst im weiteren Tonverlauf einpendeln.

Instrumentaltechnische Umsetzung

Der Toneinsatz kann mit oder ohne Zungenartikulation ausgeführt werden. Die Meinungen verschiedener Lehrmeister im 19. Jh. sind widersprüchlich: So postuliert Jean-Xavier Lefèvre 1802, bei jedem Toneinsatz ausschliesslich die Silbe „tü“ (franz. „tu“) auszuführen. Dabei ist zu beachten, dass das französische „t" im Unterschied zum deutschen „t" unterschiedlich, insbesondere ohne Aspiration ausgesprochen wird. Joseph Fröhlich (1811) hält die Ansprache "mit der Brust" oder sogar mit dem Gaumen als vorteilhafter. Gaetano Labanchi (1886?) praktiziert die Methode der Zungenartikulation, da sie den variantenreichsten Einschwingvorgang zulässt und für somit für die musikalische Gestaltung am wertvollsten ist.

Der zuverlässige Toneinsatz erfordert das Entwickeln individueller Konzepte in folgenden Bereichen:

  1. Ausbalancieren von Ansatzdruck und Luftdruck bei aktivierter Atemstütze
  2. Bewusstsein über die Zungen-Form und -Aktivität beim Artikulieren
  3. Die Zungenbewegung erfolgt unabhängig von Vokalformung, Ansatzformung und Kieferposition
  4. Die Vokalformung ändert sich je nach Registerlage, unabhängig von gleichbleibendem Ansatz und kontinuierlich fortgesetzter Luftführung
  5. Wahl des günstigsten Anblaswinkels, der günstigsten Ansatzlinie und des passenden Ansatzdruckes durch die Haltearbeit
  6. Wahl der günstigsten Stelle, an der die Zunge das Blatt berührt
  7. Auswahl und Pflege von Blatt und Mundstück, Einspielen und Bearbeiten der Blätter

Akustik

Bei der Schwingungserzeugung spielen Luftdruck und Luftgeschwindigkeit im Verhältnis zu den Blatteigenschaften eine wichtige Rolle, siehe clarinet acoustics [1]. Ausserdem beeinflusst der akustische Verlauf des Einschwingvorganges das Empfinden der Klangfarbe [2].

Einzelnachweise

  1. Joe Wolfe: Clarinet Acoustics [1] eigesehen am 15. August 2015.
  2. Amanda L. Schlegel and Jeremy S. Lane: An Exploratory Study of Adult Amateur Musicians' Identification of Instrumental Timbre. Bulletin of the Council for Research in Music Education, No. 196 (SPRING 2013) S. 65-79. Published by: University of Illinois Press on behalf of the Council for Research in Music Education [2]