Atemtechnik: Unterschied zwischen den Versionen

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* [[Interview mit Prof. Francois Benda, Universität der Künste Berlin, Musik-Akademie der Stadt Basel#Segment 1: Luftführung|Francois Benda]]
Die '''Atemtechnik''' bei Blasinstrumenten und beim Gesang modifiziert die natürliche Atembewegung zwecks Klangerzeugung von einer entspannten und unbewussten Körperfunktion hin zu einer bewusst gesteuerten „Musizierbewegung“. So wie beim der Streicher die Bogentechnik als kunsvollgeführte Bewegung des Bogens über den Saiten zur Klangerzuegung einsetzt, so bedient sich der Bläser seiner Atemtechnik für die Klangproduktion und für die musikalische Gestaltung.     
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* [[James Campbell#Breathing|James Campbell]]
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* [[Philippe Cuper#Respiration|Philippe Cuper]]
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* [[Interview mit Univ. Prof. Mag. Gerald Kraxberger, Anton Bruckner Privatuniversität, Linz#Atemstütze|Gerald Kraxberger]]
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* [[Harri Mäki#Breathing|Harri Mäki]]
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* [[Interview mit Prof. Heinrich Mätzener, Hochschule Luzern - Musik#Allgemeine Körperhaltung und Luftführung|Heinrich Mätzener]]
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* [[Ernesto Molinari#Atemstütze und Luftführung|Ernesto Molinari]]
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* [[Pascal Moraguès#Respiration|Pascal Moraguès]]
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* [[John Moses#Breathing|John Moses]]
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* [[Thomas Piercy#Breathing|Thomas Piercy]]
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* [[Interview mit BMus (musicology) Robert Pickup, Soloklarinettist Philhamronia Zürich#Atemstütze und Luftführung|Robert Pickup]]
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* [[Frédéric Rapin#La colonne d’air : une pression qui doit être efficace|Frédéric Rapin]]
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* [[Interview mit MgA. Milan Rericha, Conservatorio della Svizzera italiana, Lugano#Atemtechnik, Atemstütze und Luftführung|Milan Rericha]]
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* [[Interview mit Prof. Dr. phil. Ernst Schlader, Staatliche Musikhochschule Trossingen#Atemstütze|Ernst Schlader]]
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* [[David Shifrin#Breathing|David Shifrin]]
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Die '''Atemtechnik''' bei Blasinstrumenten und beim Gesang modifiziert die natürliche Atembewegung zwecks Klangerzeugung von einer entspannten und unbewussten Körperfunktion hin zu einer bewusst gesteuerten „Musizierbewegung“. So wie der Streicher die Bogentechnik als kunstvoll geführte Bewegung des Bogens über den Saiten zur Klangerzeugung einsetzt, so bedient sich der Bläser seiner Atemtechnik für die Klangproduktion und für die musikalische Gestaltung.     
 
== Ruheatem - Arbeitsatem ==
 
== Ruheatem - Arbeitsatem ==
 
Der grundsätzliche Unterschied zwischen der Ruheatmung und der Atmung beim Spielen eines Blasinstrumentes liegt im Wechsel von Spannung und Entspannung: während bei der Ruheatmung das Einatmen als relativ aktiver Vorgang und die Ausatmung als entspannend erlebt wird, herrschen bei der Klangproduktion genau die umgekehrten Verhältnisse. Die Ausatmung ist die klangerzeugend und somit auch kraftvoll. Darauf folgt der Moment des Entspannens, in welchem reflexartig und ohne Anstrengung die Luft in die Lungen „hineinfallen“ kann.
 
Der grundsätzliche Unterschied zwischen der Ruheatmung und der Atmung beim Spielen eines Blasinstrumentes liegt im Wechsel von Spannung und Entspannung: während bei der Ruheatmung das Einatmen als relativ aktiver Vorgang und die Ausatmung als entspannend erlebt wird, herrschen bei der Klangproduktion genau die umgekehrten Verhältnisse. Die Ausatmung ist die klangerzeugend und somit auch kraftvoll. Darauf folgt der Moment des Entspannens, in welchem reflexartig und ohne Anstrengung die Luft in die Lungen „hineinfallen“ kann.
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Siehe auch [[Atemstütze]]
 
Siehe auch [[Atemstütze]]
  
Beim Herstellen des [[Atemstütze#Fritz Winckel|„optimalen Betriebsdruckes“]] für die Klangerzeugung spielen die Atemhilfsmuskulaturen ein zentrale  Rolle: Im Unterschied zur natürlichen Atmung bleiben bei der Klangproduktion - d.h. während der Ausatmung - sowohl ein- und Ausatmungmuskeln aktiv. Ihre antagonistische wirkenden Kräfte produzieren den notwenigen Luftdruck. Um dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Zwerchfell Zwerchfell] rundum Bewegungsfreiheit zu gewährleisten, erweist sich die notwendige  Verstärkung der Asuatmung mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Musculus_latissimus_dorsi sehr grossen Rückenmuskel] - und ''nicht'' mit der vorderen Bauchmuskulatur - als sehr vorteilhaft: Der grosse Rückenmuskel ist jedermann bekannt: beim Husten tritt er in Aktion, er heisst deshalb auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Musculus_latissimus_dorsi#Funktion „Hustenmuskel“].
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Beim Herstellen des [[Atemstütze#Fritz Winckel|„optimalen Betriebsdruckes“]] für die Klangerzeugung spielen die Atemhilfsmuskulaturen eine zentrale  Rolle: Im Unterschied zur natürlichen Atmung bleiben bei der Klangproduktion - d.h. während der Ausatmung - sowohl Ein- und Ausatmungsmuskeln aktiv. Ihre antagonistisch wirkenden Kräfte produzieren den notwenigen Luftdruck. Um dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Zwerchfell Zwerchfell] rundum Bewegungsfreiheit zu gewährleisten, erweist sich die notwendige  Verstärkung der Ausatmung mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Musculus_latissimus_dorsi sehr grossen Rückenmuskel] - und ''nicht'' mit der vorderen Bauchmuskulatur - als sehr vorteilhaft: Der grosse Rückenmuskel ist jedermann bekannt: beim Husten tritt er in Aktion, er heisst deshalb auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Musculus_latissimus_dorsi#Funktion „Hustenmuskel“].
Das Vertsärken der Ausatmungsaktivität durch den betonten Einsatz der Rückenmuskulatur hat folgende Vorteile:
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Das Verstärken der Ausatmungsaktivität durch den betonten Einsatz der Rückenmuskulatur hat folgende Vorteile:
* Der sehr grosse Rückenmuskel begünstigt die aufrechte Haltung, eine Streckung der Wirbeksäule, und verhindert das Einsinken des Brustkorbes.
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* Der sehr grosse Rückenmuskel begünstigt die aufrechte Haltung, eine Streckung der Wirbelsäule, und verhindert das Einsinken des Brustkorbes.
* Dadurch können Zwerchfell, ein- und ausatmende Zwischenrippenmuskulatur sowie weitere Atemhilfsmuskulaturen durch ausbalanciertes Zusammensiel den Luftstrom als autonomes System dosieren.
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* Dadurch können Zwerchfell, ein- und ausatmende Zwischenrippenmuskulatur sowie weitere Atemhilfsmuskulaturen durch ausbalanciertes Zusammenspiel den Luftstrom als autonomes System dosieren.
 
* Der Gegendruck im [[Ansatz, Ansatzformung, Embouchure|Ansatzbereich]] kann auf das nötige Minimum eingestellt werden.     
 
* Der Gegendruck im [[Ansatz, Ansatzformung, Embouchure|Ansatzbereich]] kann auf das nötige Minimum eingestellt werden.     
  
 
Zur Funktion der Atem- und Atemhilfsmuskulatur siehe: [http://flexikon.doccheck.com/de/Atemmuskulatur Atemmuskulatur doccheck]]
 
Zur Funktion der Atem- und Atemhilfsmuskulatur siehe: [http://flexikon.doccheck.com/de/Atemmuskulatur Atemmuskulatur doccheck]]
== Atemtechnik in historischen Unterrichtswerken ==
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Es ist auffallend, dass das Thema der Atmemtechnik in keiner „Méthodes“ aufgegriffen wird. Im Gensatz dazu findet die allgemeine Körperhaltung sehr grosse Beachtung. Die Hinweise dazu finden sich meist in den ersten Kapiteln der Lehrwerke.  
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== Historische Unterrichtswerke: Verbindung von Atemtechnik und allgemeiner Körperhaltung ==
* [[Amand Vanderhagen#Article Premier et très essentiel Position des bras et de la tête|Amand Vanderhagen: „aufrechte, aber lockere Kopfhaltung“]]
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Es ist auffallend, dass das Thema der Atemtechnik in keiner der „Méthodes“ des 18. und 19. Jh. aufgegriffen wird. Im Gegensatz dazu findet die allgemeine Körperhaltung sehr grosse Beachtung. Die Hinweise dazu finden sich meist in den ersten Kapiteln der Lehrwerke.  
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* [[Amand Vanderhagen#Article Premier et très essentiel Position des bras et de la tête|Amand Vanderhagen: „Aufrechte, aber lockere Kopfhaltung“]]
 
* [[Frédéric Berr#Spielhaltung|Frédéric Berr: „Kopf gerade, Brust in neutraler Stellung“]]
 
* [[Frédéric Berr#Spielhaltung|Frédéric Berr: „Kopf gerade, Brust in neutraler Stellung“]]
 
* [[Jean-Xavier Lefèvre#Article II Haltearbeit, Position der Finger ("Manière de tenir la Clarinette")|Jean-Xavier Lefèvre: „aufrechte Haltung des Kopfes“]]
 
* [[Jean-Xavier Lefèvre#Article II Haltearbeit, Position der Finger ("Manière de tenir la Clarinette")|Jean-Xavier Lefèvre: „aufrechte Haltung des Kopfes“]]
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* [[Joseph Fröhlich#Von der Haltung des Instrumentes, Stellung des Körpers und dem Ansatze|Joseph Fröhlich: „den Körper ganz gerade zu halten“]]
 
* [[Joseph Fröhlich#Von der Haltung des Instrumentes, Stellung des Körpers und dem Ansatze|Joseph Fröhlich: „den Körper ganz gerade zu halten“]]
  
Hier wird er Zusammenhang der Atmung und der allgemeinen Spielhaltung evident: Wird bei der Klangproduktion bewusst auf eine aufrechte Körperhaltung geachtet, muss der sehr grossen Rückenmuskel zur Verstärkung der Ausatmung aktiv werden. Würde die Ausatmung durch die geraden Bauchmuskeln forciert, könnte die Haltung nicht aufrecht bleiben und die Atemstütze würde durch den Druck auf das Zwerchfell erschwert.
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Interpretation: Hier wird er Zusammenhang der Atmung und der allgemeinen Spielhaltung evident: Wird bei der Klangproduktion bewusst auf eine aufrechte Körperhaltung geachtet, muss der sehr grossen Rückenmuskel zur Verstärkung der Ausatmung aktiv werden. Würde die Ausatmung durch die geraden Bauchmuskeln forciert, könnte die Haltung nicht aufrecht bleiben und die Atemstütze würde durch den Druck auf das Zwerchfell erschwert.
== Clarinet-Didactics Autoren ==
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* [[Interview mit Prof. Francois Benda, Universität der Künste Berlin, Musik-Akademie der Stadt Basel#Segment 1: Luftführung|Francois Benda]]
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= Literatur =
* [[Interview mit Univ. Prof. Mag. Gerald Kraxberger, Anton Bruckner Privatuniversität, Linz#Atemstütze|Gerald Kraxberger]]
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* Johanna Gutzwiller: ''Körperklang - Klangkörper: ein Arbeitsbuch über Körperarbeit für Chorleiter, Sänger und Instrumentalisten.'' Musiked. Nepomuk, 1997.
* [[Interview mit Prof. Ernesto Molinari, Hochschule der Künste Bern#Atemstütze und Luftführung|Ernesto Molinari]]
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* [[Heinrich Mätzener#Publikationen|Heinrich Mätzener]], Johanna Gutzwiller, Beate Sick, Hans-Christoph Maier, Laura Tomatis: ''Klarinettenklang, Versuch einer physiologischen Analyse''. Forschungsbericht der Hochschule Luzern–Musik, p.29, Luzern 2012 [http://edoc.zhbluzern.ch/hslu/m/fb/2012_4_Maetzener.pdf]
* [[Interview mit Prof. Heinrich Mätzener, Hochschule Luzern - Musik#Luftführung, Atemtechnik|Heinrich Mätzener]]
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* Margot Scheufele-Osenberg: ''Die Atemschule. Übungsprogramm für Sänger, Instrumentalisten und Sprecher / Atmung - Haltung - Stütze''. Schott. Mainz, Tokyo 1998.
* [[Interview mit BMus (musicology) Robert Pickup, Soloklarinettist Philhamronia Zürich#Atemstütze und Luftführung|Robert Pickup]]
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* [[Interview mit MgA. Milan Rericha, Conservatorio della Svizzera italiana, Lugano#Atemtechnik, Atemstütze und Luftführung|Milan Rericha]]
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[[Kategorie:Grundtechnik|Atemtechnik]]
* [[Interview mit Prof. Dr. phil. Ernst Schlader, Staatliche Musikhochschule Trossingen#Atemstütze|Ernst Schlader]]
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[[Kategorie:Körperarbeit|Atemtechnik]]

Version vom 3. Juni 2020, 14:51 Uhr

Beiträge der Interviewpartner


Die Atemtechnik bei Blasinstrumenten und beim Gesang modifiziert die natürliche Atembewegung zwecks Klangerzeugung von einer entspannten und unbewussten Körperfunktion hin zu einer bewusst gesteuerten „Musizierbewegung“. So wie der Streicher die Bogentechnik als kunstvoll geführte Bewegung des Bogens über den Saiten zur Klangerzeugung einsetzt, so bedient sich der Bläser seiner Atemtechnik für die Klangproduktion und für die musikalische Gestaltung.

Ruheatem - Arbeitsatem

Der grundsätzliche Unterschied zwischen der Ruheatmung und der Atmung beim Spielen eines Blasinstrumentes liegt im Wechsel von Spannung und Entspannung: während bei der Ruheatmung das Einatmen als relativ aktiver Vorgang und die Ausatmung als entspannend erlebt wird, herrschen bei der Klangproduktion genau die umgekehrten Verhältnisse. Die Ausatmung ist die klangerzeugend und somit auch kraftvoll. Darauf folgt der Moment des Entspannens, in welchem reflexartig und ohne Anstrengung die Luft in die Lungen „hineinfallen“ kann.

Einatmung

Um das Lungenvolumen optimal ausnützen zu können, arbeiten bei der Vollatmung gleichzeitig Zwerchfell und äussere Zwischenrippenmuskulatur. (siehe Atemmuskulatur). Die Aktivierung dieser beiden Muskelgruppen bei der Einatmung gilt als Voraussetzung für den Aufbau der Atemstütze (siehe auch Atemtechnik, Übungen).

Ausatmung und Atemstütze

Siehe auch Atemstütze

Beim Herstellen des „optimalen Betriebsdruckes“ für die Klangerzeugung spielen die Atemhilfsmuskulaturen eine zentrale Rolle: Im Unterschied zur natürlichen Atmung bleiben bei der Klangproduktion - d.h. während der Ausatmung - sowohl Ein- und Ausatmungsmuskeln aktiv. Ihre antagonistisch wirkenden Kräfte produzieren den notwenigen Luftdruck. Um dem Zwerchfell rundum Bewegungsfreiheit zu gewährleisten, erweist sich die notwendige Verstärkung der Ausatmung mit dem sehr grossen Rückenmuskel - und nicht mit der vorderen Bauchmuskulatur - als sehr vorteilhaft: Der grosse Rückenmuskel ist jedermann bekannt: beim Husten tritt er in Aktion, er heisst deshalb auch „Hustenmuskel“. Das Verstärken der Ausatmungsaktivität durch den betonten Einsatz der Rückenmuskulatur hat folgende Vorteile:

  • Der sehr grosse Rückenmuskel begünstigt die aufrechte Haltung, eine Streckung der Wirbelsäule, und verhindert das Einsinken des Brustkorbes.
  • Dadurch können Zwerchfell, ein- und ausatmende Zwischenrippenmuskulatur sowie weitere Atemhilfsmuskulaturen durch ausbalanciertes Zusammenspiel den Luftstrom als autonomes System dosieren.
  • Der Gegendruck im Ansatzbereich kann auf das nötige Minimum eingestellt werden.

Zur Funktion der Atem- und Atemhilfsmuskulatur siehe: Atemmuskulatur doccheck]

Historische Unterrichtswerke: Verbindung von Atemtechnik und allgemeiner Körperhaltung

Es ist auffallend, dass das Thema der Atemtechnik in keiner der „Méthodes“ des 18. und 19. Jh. aufgegriffen wird. Im Gegensatz dazu findet die allgemeine Körperhaltung sehr grosse Beachtung. Die Hinweise dazu finden sich meist in den ersten Kapiteln der Lehrwerke.

Interpretation: Hier wird er Zusammenhang der Atmung und der allgemeinen Spielhaltung evident: Wird bei der Klangproduktion bewusst auf eine aufrechte Körperhaltung geachtet, muss der sehr grossen Rückenmuskel zur Verstärkung der Ausatmung aktiv werden. Würde die Ausatmung durch die geraden Bauchmuskeln forciert, könnte die Haltung nicht aufrecht bleiben und die Atemstütze würde durch den Druck auf das Zwerchfell erschwert.

Literatur

  • Johanna Gutzwiller: Körperklang - Klangkörper: ein Arbeitsbuch über Körperarbeit für Chorleiter, Sänger und Instrumentalisten. Musiked. Nepomuk, 1997.
  • Heinrich Mätzener, Johanna Gutzwiller, Beate Sick, Hans-Christoph Maier, Laura Tomatis: Klarinettenklang, Versuch einer physiologischen Analyse. Forschungsbericht der Hochschule Luzern–Musik, p.29, Luzern 2012 [1]
  • Margot Scheufele-Osenberg: Die Atemschule. Übungsprogramm für Sänger, Instrumentalisten und Sprecher / Atmung - Haltung - Stütze. Schott. Mainz, Tokyo 1998.