Reiner Wehle: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Reiner Wehle''' [https://de.wikipedia.org/wiki/Reiner_Wehle] verfasste sein dreibändiges Unterrichtswerk "Clarinet fundamentals" <ref>Reiner Wehle: ''Clarinet Fundamentals. 1. Sound and articulation, 2. Systematic fingering course, 3. Intonation. '' Schott, Frankfurt 2007 und 2008</ref>.
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= Didaktischer Kanon =
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„Geist und Emotionen des Komponisten“ können nur durch „Sensibilisierung für den Klang und der <nowiki>[</nowiki>durch die<nowiki>]</nowiki> Fähigkeit zur höchstmöglichen Differenzierung“ vermittelt werden. Schnelles, virtuoses Spiel mag beeindrucken und Bewunderung finden, entspricht aber noch nicht dem Sinn des Musizierens. Nur aktives Formen und bewusstes Verbinden von Tönen, Pflege von mannigfaltigen Arten des Einschwingens, der Klangfarbe und des Verklingens mögen künstlerischen Massstäben einer Ausbildung gerecht werden.
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= Üben =
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Üben muss systematisch aufgebaut werden: keine Überforderung programmieren!
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„Das Erlernen eines Instrumentes gelingt umso besser, je besser man es versteht, sich selber zuzuhören!“ (S.4)
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== Übprogramm ==
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Für das Studium sollte ein Übprogram mit folgenden Inhalten individuell und klug zusammengestellt werden:
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=== Tonbildung ===
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In der Tonbildung werden folgende '''musikalischen Ziele''' verfolgt:
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* Stabile Tonführung
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* Der Klang muss in allen Bereichen frei, tragfähig und sauber sein, d.h. er muss möglichst wenig Geräuschanteile enthalten.
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* Beherrschen der Klangfarbe in allen dynamischen Bereichen und in allen Tonlagen.
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* Stabiles Halten der Töne währen einer Atemlänge: Stabile Intonation, Stabile Dynamik
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* Tonbildung ist immer auch als bewusste Gehörsschulung zu verstehen
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Gleichzeitig trainiert die Tonbildung folgendes '''instrumentaltechnisches Können''':
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* Bewusstwerden und präzise Kontrolle über alle Details der Tonerzeugung: Oberstes Ziel aller Klangübungen ist es,...den Kehlkopfbereich immer frei und offen zu halten und den notwendigen (und wirklich nur den notwendigen) Luftdruck herzustellen. Der Ton wird mit der Tonsilbe „da“ nur mit dem vordersten Teil der Zunge artikuliert.
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* Kontrolle der Luftführung
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* Pause zwischen Ein- und Ausatmen bewusst nutzen, um Ansatz zu bilden und Atemstütze vor dem Toneinsatz aufzubauen
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* Die Kontrolle über alle klangrelevanten Vorgänge, sowie die Sicherheit. Diese bewusst steuern zu  können ist wichtige Voraussetzung für den Erfolg in Konzert- Vorspielsituation
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Die Zeit der Tonbilldung muss auch für die Kenntnis, für dei Wahl und für die Bearbeitung  der '''Eigenschaften des Klarinettenblattes''' genutzt werden. Reiner Wehle widmet der Blattbearbeitung ein eigenes  Kapitel.
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=== Bitte beachten ===
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* Jedes sinnvolle Üben braucht Zeit
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* Vor jeder Übe-Einheit Ziele formulieren
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* Welche Übungen wähle ich, um das formulierte Ziel zu erreichen?
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* Welche Zwischenschritte [nach Analyse des Lernstoffes] bringen mich dem Ziel näher
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* Gutes Zuhören: entspricht meine Spiel meinen Zielvorstellungen?
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* Gute Selbstbeobachtung: Übe ich das was ich schon kann, oder das, was es zu verbessern gilt?
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* Eigene Erfolge anerkennen
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* Gutes Üben braucht Konzentration
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*Vor dem Üben äussere Bedingungen und innere Disposition in Ordnung bringen
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*Analyse von allfälligen Fehlern: welche Bewegungsabläufe müssen optimiert werden?
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* Mentales üben: [Das heisst sich das musikalische Geschehen (Tonhöhenverlauf, Rhythmus, Dynamik, Artikulation, Intonation, Tempo, Agogik) ohne Instrument genau vorstellen und innerlich vorsingen, und sich gleichzeitig sich die Musizierbewegungen innerlich vorstellen.]
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* Man vermeide, mechanisch zu üben
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* Übe immer mit voller Aufmerksamkeit, dazu Abwechslung und flexible Planung zulassen.
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* Schwierige Stellen: Artikulation variieren / Rhythmisieren / Hinzufügen von Akzenten
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* „Intervalltraining“ bezgl. Temposteigerung und Abfolge schwieriger Stellen
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* Analyse musikalisch-formaler Abschnitte bezgl. schwieriger Stellen
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* Effizienz der Übungen immer im Auge behalten, bei ausbleibender Verbesserung entsprechend reagieren, Übungstechnik oder Übemodelle ändern.
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* Übe immer musikalisch!
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* Übe in musikalisch erkennbaren Phrasen, Strukturen, Einheiten, die musikalische verständlich sein müssen: Rhythmus, Dynamik, Tempo, Agogik, Intonation und Tonführung müssen immer bewusst gestaltet und somit definierbar sein.
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* Bewusstsein für die dabei erforderlichen Musizierbewegungen schärfen: welches taktile Empfinden und welche Bewegungsabläufe verbinden sich mit den beabsichtigten musikalischen Figuren?
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* Achte bei technischen Übungen immer auf einen gepflegten, kontrollierten Ton
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* Regeln der allgemeinen Körperhaltung beachten
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* Typische Übfehler vermeiden
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* Bei Zeitmangel wenig aber gründlich üben
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* Regelmässig Üben, nicht wenig und exzessiv
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* Zeitmanagement: sich über längere Zeit vor wichtigem Ereignis vorbereiten
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* Das Tempo eines Stückes / einer Etüde wird nach den schwierigsten Stellen gewählt
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* Rhythmus immer beachten
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* Das Tempo folgt der Lockerheit
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* Konzentration nicht überfordern: max. 10 Min. an einer schwierigen Stelle üben
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* Keine Fehler wiederholen und dadurch einüben!
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* Schwierige Stellen im Zusammenhang üben – aber nicht immer das ganze Stück von vorne beginnen
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* Geübte Passagen nach Übeinheit ev. noch einmal langsam spielen – nicht einmal schnell und ungenau
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* Wenn etwas nach längerem Üben nicht gehen will: sich Pausen gönnen!
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== Einzelnachweise ==
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<references />
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[[Kategorie:Unterrichtswerke 20./21. Jh.|Wehle Reiner]]

Aktuelle Version vom 4. August 2018, 17:18 Uhr


Reiner Wehle [1] verfasste sein dreibändiges Unterrichtswerk "Clarinet fundamentals" [1].

Didaktischer Kanon

„Geist und Emotionen des Komponisten“ können nur durch „Sensibilisierung für den Klang und der [durch die] Fähigkeit zur höchstmöglichen Differenzierung“ vermittelt werden. Schnelles, virtuoses Spiel mag beeindrucken und Bewunderung finden, entspricht aber noch nicht dem Sinn des Musizierens. Nur aktives Formen und bewusstes Verbinden von Tönen, Pflege von mannigfaltigen Arten des Einschwingens, der Klangfarbe und des Verklingens mögen künstlerischen Massstäben einer Ausbildung gerecht werden.

Üben

Üben muss systematisch aufgebaut werden: keine Überforderung programmieren! „Das Erlernen eines Instrumentes gelingt umso besser, je besser man es versteht, sich selber zuzuhören!“ (S.4)

Übprogramm

Für das Studium sollte ein Übprogram mit folgenden Inhalten individuell und klug zusammengestellt werden:

Tonbildung

In der Tonbildung werden folgende musikalischen Ziele verfolgt:

  • Stabile Tonführung
  • Der Klang muss in allen Bereichen frei, tragfähig und sauber sein, d.h. er muss möglichst wenig Geräuschanteile enthalten.
  • Beherrschen der Klangfarbe in allen dynamischen Bereichen und in allen Tonlagen.
  • Stabiles Halten der Töne währen einer Atemlänge: Stabile Intonation, Stabile Dynamik
  • Tonbildung ist immer auch als bewusste Gehörsschulung zu verstehen

Gleichzeitig trainiert die Tonbildung folgendes instrumentaltechnisches Können:

  • Bewusstwerden und präzise Kontrolle über alle Details der Tonerzeugung: Oberstes Ziel aller Klangübungen ist es,...den Kehlkopfbereich immer frei und offen zu halten und den notwendigen (und wirklich nur den notwendigen) Luftdruck herzustellen. Der Ton wird mit der Tonsilbe „da“ nur mit dem vordersten Teil der Zunge artikuliert.
  • Kontrolle der Luftführung
  • Pause zwischen Ein- und Ausatmen bewusst nutzen, um Ansatz zu bilden und Atemstütze vor dem Toneinsatz aufzubauen
  • Die Kontrolle über alle klangrelevanten Vorgänge, sowie die Sicherheit. Diese bewusst steuern zu können ist wichtige Voraussetzung für den Erfolg in Konzert- Vorspielsituation

Die Zeit der Tonbilldung muss auch für die Kenntnis, für dei Wahl und für die Bearbeitung der Eigenschaften des Klarinettenblattes genutzt werden. Reiner Wehle widmet der Blattbearbeitung ein eigenes Kapitel.

Bitte beachten

  • Jedes sinnvolle Üben braucht Zeit
  • Vor jeder Übe-Einheit Ziele formulieren
  • Welche Übungen wähle ich, um das formulierte Ziel zu erreichen?
  • Welche Zwischenschritte [nach Analyse des Lernstoffes] bringen mich dem Ziel näher
  • Gutes Zuhören: entspricht meine Spiel meinen Zielvorstellungen?
  • Gute Selbstbeobachtung: Übe ich das was ich schon kann, oder das, was es zu verbessern gilt?
  • Eigene Erfolge anerkennen
  • Gutes Üben braucht Konzentration
  • Vor dem Üben äussere Bedingungen und innere Disposition in Ordnung bringen
  • Analyse von allfälligen Fehlern: welche Bewegungsabläufe müssen optimiert werden?
  • Mentales üben: [Das heisst sich das musikalische Geschehen (Tonhöhenverlauf, Rhythmus, Dynamik, Artikulation, Intonation, Tempo, Agogik) ohne Instrument genau vorstellen und innerlich vorsingen, und sich gleichzeitig sich die Musizierbewegungen innerlich vorstellen.]
  • Man vermeide, mechanisch zu üben
  • Übe immer mit voller Aufmerksamkeit, dazu Abwechslung und flexible Planung zulassen.
  • Schwierige Stellen: Artikulation variieren / Rhythmisieren / Hinzufügen von Akzenten
  • „Intervalltraining“ bezgl. Temposteigerung und Abfolge schwieriger Stellen
  • Analyse musikalisch-formaler Abschnitte bezgl. schwieriger Stellen
  • Effizienz der Übungen immer im Auge behalten, bei ausbleibender Verbesserung entsprechend reagieren, Übungstechnik oder Übemodelle ändern.
  • Übe immer musikalisch!
  • Übe in musikalisch erkennbaren Phrasen, Strukturen, Einheiten, die musikalische verständlich sein müssen: Rhythmus, Dynamik, Tempo, Agogik, Intonation und Tonführung müssen immer bewusst gestaltet und somit definierbar sein.
  • Bewusstsein für die dabei erforderlichen Musizierbewegungen schärfen: welches taktile Empfinden und welche Bewegungsabläufe verbinden sich mit den beabsichtigten musikalischen Figuren?
  • Achte bei technischen Übungen immer auf einen gepflegten, kontrollierten Ton
  • Regeln der allgemeinen Körperhaltung beachten
  • Typische Übfehler vermeiden
  • Bei Zeitmangel wenig aber gründlich üben
  • Regelmässig Üben, nicht wenig und exzessiv
  • Zeitmanagement: sich über längere Zeit vor wichtigem Ereignis vorbereiten
  • Das Tempo eines Stückes / einer Etüde wird nach den schwierigsten Stellen gewählt
  • Rhythmus immer beachten
  • Das Tempo folgt der Lockerheit
  • Konzentration nicht überfordern: max. 10 Min. an einer schwierigen Stelle üben
  • Keine Fehler wiederholen und dadurch einüben!
  • Schwierige Stellen im Zusammenhang üben – aber nicht immer das ganze Stück von vorne beginnen
  • Geübte Passagen nach Übeinheit ev. noch einmal langsam spielen – nicht einmal schnell und ungenau
  • Wenn etwas nach längerem Üben nicht gehen will: sich Pausen gönnen!

Einzelnachweise

  1. Reiner Wehle: Clarinet Fundamentals. 1. Sound and articulation, 2. Systematic fingering course, 3. Intonation. Schott, Frankfurt 2007 und 2008