Multiplikatorverfahren

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Das Multiplikatorverfahren ist ein vereinfachtes Verfahren zur Unternehmensbewertung, bei dem der Unternehmenswert auf Basis von Marktvergleichen geschätzt wird. Anstatt eine detaillierte Prognose zukünftiger Zahlungsströme oder Erträge zu erstellen, wird eine betriebswirtschaftliche Kennzahl des Unternehmens mit einem für die Branche typischen Multiplikator multipliziert (Schuchardt, 2025, S. 83).

Der Multiplikator wird in der Regel auf Basis von Markterfahrungen, Branchenbenchmarks oder vergleichbaren Transaktionen abgeleitet. Dadurch ist es möglich, in kurzer Zeit einen ungefähren Richtwert für den Unternehmenswert zu ermitteln. Das Verfahren findet häufig Anwendung bei der ersten Orientierung oder der Vorbereitung von Preisverhandlungen (Schuchardt, 2025, S. 83).

Im Vergleich zu umfassenderen Bewertungsmethoden, wie der Discounted Cashflow Methode oder der Ertragswertmethode, weist das Multiplikatorverfahren gewisse Limitationen auf. So werden unternehmensspezifische Zukunftserwartungen nur begrenzt berücksichtigt, was zu einer geringeren Individualität und Präzision führt (Schuchardt, 2025, S. 83).

Typische Bezugswerte im Multiplikatorverfahren

Umsatzmultiplikator: Der Umsatzmultiplikator stellt eine spezifische Methode zur Ermittlung des Jahresumsatzes eines Unternehmens dar. Dieser wird hierbei mit einem branchenspezifischen Faktor multipliziert, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen. Diese Methode zeichnet sich durch ihre einfache Anwendung aus, berücksichtigt jedoch nicht direkt die Rentabilität des Unternehmens (Schuchardt, 2025, S. 83).

Gewinn- oder EBITDA-Multiplikator: Bei dieser Variante basiert die Bewertung auf einer Ertragskennzahl, beispielsweise dem Gewinn oder dem EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization). Die Berücksichtigung der Ertragskraft führt in der Regel zu einem höheren Aussagewert dieser Multiplikatoren im Vergleich zu reinen Umsatzmultiplikatoren (Schuchardt, 2025, S. 84)

Neben Umsatz oder Gewinn können grundsätzlich auch andere Kennzahlen als Bezugsgrösse dienen, etwa Kundenanzahl, Betriebsfläche oder der Wert des Maschinenparks. In der Praxis werden jedoch Umsatz und Gewinnkennzahlen am häufigsten verwendet (Schuchardt, 2025, S. 84)

Quellen