UBS AG – Kritische Analyse der Bonusbank-Umsetzung: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Controlling-Wiki
K
 
(3 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
 
In der Praxis existieren mehrere Unternehmen, die das Modell der Bonusbank einsetzen oder eingesetzt haben. Im Folgenden wird eine praktische Umsetzung am Beispiel der [http://www.ubs.com UBS] erläutert und analysiert.
 
In der Praxis existieren mehrere Unternehmen, die das Modell der Bonusbank einsetzen oder eingesetzt haben. Im Folgenden wird eine praktische Umsetzung am Beispiel der [http://www.ubs.com UBS] erläutert und analysiert.
  
Die UBS (2009) setzt seit 2009 eine auf einer Bonusbank beruhende Vergütungspolitik ein. Das Vergütungssystem besteht aus einem fixen Grundsalär, einer variablen Barvergütung und einer variablen Aktienbeteiligung (S. 7–8). Mit dem neuen Vergütungssystem soll vor allem die langfristige Denkweise der Aktionäre auf das Management appliziert werden (S. 11). Das System der Bonusbank wird dabei insbesondere bei der Barvergütung eingesetzt, die bei der UBS unter dem Namen Cash Balance-Plan läuft (S. 7).
+
Die UBS setzt seit 2009 eine auf einer Bonusbank beruhende Vergütungspolitik ein. Das Vergütungssystem besteht aus einem fixen Grundsalär, einer variablen Barvergütung und einer variablen Aktienbeteiligung. Mit dem neuen Vergütungssystem soll vor allem die langfristige Denkweise der Aktionäre auf das Management appliziert werden. Das System der [[Bonusbank]] wird dabei insbesondere bei der Barvergütung eingesetzt, die bei der UBS unter dem Namen Cash-Balance-Plan läuft (UBS, 2009, S. 7-11).
  
Die UBS wendet das Modell „'''Einzeljahresziel mit mehrjähriger Bonusbank'''“ an. Dabei wird eine gleitende Auszahlung mit einer Gesamtdauer von 3 Jahren vorgenommen. Die direkte Vergütungshöhe beträgt damit fixe 33% (vgl. [[Bonusbank#Die Auszahlung|Auszahlung Bonusbank]]). Im Gegensatz zur empfohlenen Verwendung des Value Added (VA), verwendet sie  die Eigenkapitalrendite (RoE) als Messgrösse des Erfolgs (vgl. [[Bonusbank#Die Wertekennzahl|Wertekennzahl]]). Der Zielwert für den Bonusfaktor 1 beträgt 6% RoE. Liegt der RoE höher als 6%, wird der ausstehende Betrag linear bis zum Cap bei 20% erhöht. Bei negativem RoE verringert sich der ausstehende Betrag um bis zu 100% (UBS, 2012, S. 22). Die Nachfolgende Tabelle stellt die Funktionsweise des Cash-Balance-Plans dar.
+
Die UBS wendet das Modell „Einzeljahresziel mit mehrjähriger Bonusbank“ an. Dabei wird eine gleitende Auszahlung mit einer Gesamtdauer von 3 Jahren vorgenommen. Die direkte Vergütungshöhe beträgt damit fixe 33% (vgl. [[Bonusbank#Die Auszahlung|Auszahlung Bonusbank]]). Im Gegensatz zur empfohlenen Verwendung des Value Added (VA), verwendet sie  die Eigenkapitalrendite (RoE) als Messgrösse des Erfolgs (vgl. [[Bonusbank#Die Wertekennzahl|Wertekennzahl]]). Der Zielwert für den RoE für den Bonusfaktor 1 beträgt 6%. Liegt der RoE höher als 6%, wird der ausstehende Betrag linear bis zum Cap bei 20% erhöht. Bei negativem RoE verringert sich der ausstehende Betrag um bis zu 100% (UBS, 2012, S. 22). Die nachfolgende Tabelle stellt die Funktionsweise des Cash-Balance-Plans dar.
  
 
{| class="wikitable" border="1"
 
{| class="wikitable" border="1"
Zeile 64: Zeile 64:
 
|}
 
|}
  
Die UBS setzt die Bonusbank mehrheitlich nach den in den vorherigen Abschnitten beschriebenen Kriterien ein. Einzig die Verwendung des RoE als Messgrösse ist nach Ansicht von Koch und Pertl (2009) als kritisch einzustufen. Zwar versucht die UBS, mittels der Bonus- und Malus-Effekte eine langfristige Perspektive zu erreichen. Die Anreizwirkung zur Steigerung der Eigenkapitalrendite besteht jedoch darin, die Eigenkapitalquote zu senken, wodurch ein potenziell höheres Risiko eingegangen wird. Eine nachhaltige Investition, wie sie ein VA fördern würde, bleibt damit verwehrt (S. 5). Zudem dürfte die EK-Rendite und damit die Bonusbeträge in naher Zukunft entscheidend durch Basel III beeinflusst werden (Härle et al., 2010, S. 4). Um die Bonushöhe stabil zu halten, könnte die [http://www.ubs.com UBS] anschliessend gezwungen sein, die Zielwertgrösse von 6% RoE-Wachstum entsprechend anzupassen.
+
Die UBS setzt die [[Bonusbank]] mehrheitlich nach den auf der entsprechenden Seite beschriebenen Kriterien ein. Einzig die Verwendung des RoE als Messgrösse ist als kritisch einzustufen. Zwar versucht die UBS, mittels der Bonus- und Malus-Effekte eine langfristige Perspektive zu erreichen. Die Anreizwirkung zur Steigerung der Eigenkapitalrendite besteht jedoch darin, die Eigenkapitalquote zu senken, wodurch ein potenziell höheres Risiko eingegangen wird. Eine nachhaltige Investition, wie sie ein VA fördern würde, bleibt damit verwehrt. Zudem dürfte die EK-Rendite und damit die Bonusbeträge in naher Zukunft entscheidend durch Basel III beeinflusst werden (Härle et al., 2010, S. 4). Um die Bonushöhe stabil zu halten, könnte die UBS anschliessend gezwungen sein, die Zielwertgrösse von 6% entsprechend anzupassen.
 
 
 
 
zurück zu [[Bonusbank]]
 
  
 
== Quellen ==
 
== Quellen ==

Aktuelle Version vom 13. April 2016, 15:13 Uhr

In der Praxis existieren mehrere Unternehmen, die das Modell der Bonusbank einsetzen oder eingesetzt haben. Im Folgenden wird eine praktische Umsetzung am Beispiel der UBS erläutert und analysiert.

Die UBS setzt seit 2009 eine auf einer Bonusbank beruhende Vergütungspolitik ein. Das Vergütungssystem besteht aus einem fixen Grundsalär, einer variablen Barvergütung und einer variablen Aktienbeteiligung. Mit dem neuen Vergütungssystem soll vor allem die langfristige Denkweise der Aktionäre auf das Management appliziert werden. Das System der Bonusbank wird dabei insbesondere bei der Barvergütung eingesetzt, die bei der UBS unter dem Namen Cash-Balance-Plan läuft (UBS, 2009, S. 7-11).

Die UBS wendet das Modell „Einzeljahresziel mit mehrjähriger Bonusbank“ an. Dabei wird eine gleitende Auszahlung mit einer Gesamtdauer von 3 Jahren vorgenommen. Die direkte Vergütungshöhe beträgt damit fixe 33% (vgl. Auszahlung Bonusbank). Im Gegensatz zur empfohlenen Verwendung des Value Added (VA), verwendet sie die Eigenkapitalrendite (RoE) als Messgrösse des Erfolgs (vgl. Wertekennzahl). Der Zielwert für den RoE für den Bonusfaktor 1 beträgt 6%. Liegt der RoE höher als 6%, wird der ausstehende Betrag linear bis zum Cap bei 20% erhöht. Bei negativem RoE verringert sich der ausstehende Betrag um bis zu 100% (UBS, 2012, S. 22). Die nachfolgende Tabelle stellt die Funktionsweise des Cash-Balance-Plans dar.

Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3 Jahr 4 Jahr 5
Vortrag aus Vorjahr 100 40 120 60
+ Zugeteilter Bonus 150 140 60
Zugeteilter Malus -40 -30
= Zwischensaldo 150 60 180 90 120
x Auszahlung 33% 33% 33% 33% 33%
= Ausbezahlter Betrag 50 20 60 30 40
Saldo nach Auszahlung 100 40 120 60 80

Die UBS setzt die Bonusbank mehrheitlich nach den auf der entsprechenden Seite beschriebenen Kriterien ein. Einzig die Verwendung des RoE als Messgrösse ist als kritisch einzustufen. Zwar versucht die UBS, mittels der Bonus- und Malus-Effekte eine langfristige Perspektive zu erreichen. Die Anreizwirkung zur Steigerung der Eigenkapitalrendite besteht jedoch darin, die Eigenkapitalquote zu senken, wodurch ein potenziell höheres Risiko eingegangen wird. Eine nachhaltige Investition, wie sie ein VA fördern würde, bleibt damit verwehrt. Zudem dürfte die EK-Rendite und damit die Bonusbeträge in naher Zukunft entscheidend durch Basel III beeinflusst werden (Härle et al., 2010, S. 4). Um die Bonushöhe stabil zu halten, könnte die UBS anschliessend gezwungen sein, die Zielwertgrösse von 6% entsprechend anzupassen.

Quellen