Organisationsformen

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Die Organisationsform eines Unternehmens wird in der Praxis durch zahlreiche individuelle und situative Gegebenheiten bestimmt. Ebenso besteht ein enger Zusammenhang mit den strategischen und kulturellen Rahmenbedingungen einer Organisation. Beinahe alle Organisationsstrukturen lassen sich auf allgemeine Strukturierungsprinzipien zurückführen (Thommen & Achleitner, 2012, S. 865-871). Letztere unterscheiden sich bzgl. Stellenbildung, Leitungsprinzip und der Aufteilung der Entscheidungskompetenzen, wie Abbildung 1 verdeutlicht.

Abb. 1: Organisationsformen nach Strukturierungsprinzip (Thommen & Achleitner, 2012, S. 865-871)
  • Mit dem Prinzip der Stellenbildung wird die zweckmässige Verteilung der Aufgaben auf Stellen angestrebt. Hierbei stellt sich die Frage, nach welchen Merkmalen ein Unternehmen Stellen bildet. Die Literatur unterscheidet dabei die folgenden Prinzipien: Verrichtung, Objekt, Region, Projekte und Kundengruppen.
  • Beim Leitungsprinzip geht es um die Beziehungen zwischen vorgesetzten und ausführenden Stellen, die sich aus der arbeitsteiligen Erfüllung von Aufgaben ergeben. Während das Einliniensystem aus einer einzigen Verbindung zwischen Stelle und vorgesetzter Instanz besteht, ist im Rahmen des Mehrliniensystems jede Stelle einer Mehrzahl von übergeordneten Stellen unterstellt (Scherm & Pietsch, 2007, S. 168-169).
  • Die Aufteilung von Entscheidungskompetenzen zielt schliesslich darauf ab, wie stark Aufgaben, Kompetenzen & Verantwortlichkeiten an rangtiefere Stellen delegiert werden. Auf der einen Seite verfolgt die Zentralisierung die Zusammenfassung gleichartiger Aufgaben zu einem Zentrum (z. B. eine Abteilung oder Stelle). Auf der anderen Seite kennzeichnet sich die Dezentralisierung durch die Verteilung gleichartiger Aufgaben auf mehrere Abteilungen bzw. Stellen (Schanz, 1994, S. 213-214).

Anhand dieser Strukturierungsprinzipien können drei Varianten von Organisationsformen, die in der Praxis vielfach auftreten, differenziert werden (vgl. Vahs, 2015, S. 145-177).

  • Funktionale Organisation: Die Kompetenzen werden aufgrund verrichtungsorientierter Spezialisierung nach betrieblichen Funktionen wie Beschaffung, Produktion, Absatz und Verwaltung gegliedert.
  • Spartenorganisation: Bei diesem Organisationsmodell erfolgt durch Anwendung des Objektprinzips eine Spezialisierung nach Produkten, Kundengruppen oder Regionen.
  • Matrixorganisation: Dieses zweidimensionale Mehrliniensystem basiert auf dem Prinzip der Mehrfachunterstellung, weshalb eine Stelle von mehreren vorgesetzten Instanzen Weisungen erhalten kann.

In der Regel sind die Übergänge zwischen den erläuterten Strukturformen fliessend. So vermischen sich bspw. Einlinien- und Mehrlinienorganisation in der Praxis häufig. Ein Unternehmen durchläuft typischerweise in seiner Geschichte mehrere Organisationsformen und passt diese jeweils den Unternehmenszielen und der spezifischen Situation an (Thommen & Achleitner, 2012, S. 893-894).

Quellen

Literaturverzeichnis

  • Schanz, G. (1994). Organisationsgestaltung. Management von Arbeitsteilung und Koordination (2. Aufl.). München: Vahlen.
  • Scherm, E. & Pietsch, G. (2007). Organisation. Theorie, Gestaltung, Wandel. München: Oldenbourg.
  • Thommen, J.-P. & Achleitner, A.-K. (2012). Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. Umfassende Einführung aus managementorientierter Sicht (7. Aufl.). Wiesbaden: Gabler.
  • Vahs, D. (2015). Organisation. Ein Lehr- und Managementbuch (9. Aufl.). Stuttgart: Schäffer-Poeschel.

Weiterführende Literatur

Autor

Marcel Fallegger